Alien-Gefühle bei Neurodiversität: Wenn Anderssein zum Alltag gehört

Einleitung: Was ist das Alien-Gefühl?
Viele neurodiverse Menschen kennen das sogenannte Alien-Gefühl: das Empfinden, anders zu sein, nicht dazuzugehören oder sich wie ein Alien unter Menschen zu fühlen. Dieses Gefühl ist kein seltenes Phänomen, sondern begleitet zahlreiche Menschen mit Autismus, ADHS, Hochsensibilität, Legasthenie oder anderen neurodiversen Merkmalen durch ihr Leben. Doch was steckt hinter dem Alien-Gefühl bei neurodiversen Menschen? Warum entsteht es, und wie kann man lernen, damit umzugehen und sich selbst zu akzeptieren?
In diesem Beitrag erfährst du alles Wichtige rund um das Alien-Gefühl neurodivers: von den Ursachen über die Auswirkungen bis hin zu praktischen Tipps für mehr Selbstakzeptanz und Wohlbefinden.
Was bedeutet „neurodivers“?
Bevor wir tiefer in das Thema einsteigen, ist es hilfreich, den Begriff neurodivers zu klären. Neurodiversität beschreibt die natürliche Vielfalt menschlicher Gehirne und Denkweisen. Menschen, die als neurodivers gelten, unterscheiden sich in ihrer Wahrnehmung, Informationsverarbeitung und im Verhalten von der sogenannten „neurotypischen“ Mehrheit. Zu den neurodiversen Gruppen zählen unter anderem Autist:innen, Menschen mit ADHS, Legasthenie, Dyskalkulie, Tourette-Syndrom und Hochsensibilität.
Neurodiversität ist keine Krankheit, sondern ein Ausdruck menschlicher Vielfalt. Dennoch erleben viele neurodiverse Menschen im Alltag Herausforderungen – und eben auch das Alien-Gefühl.
Das Alien-Gefühl neurodivers: Wie fühlt es sich an?
Das Alien-Gefühl bei neurodiversen Menschen ist oft schwer in Worte zu fassen. Viele Betroffene berichten, dass sie sich wie ein Alien fühlen – als kämen sie von einem anderen Planeten oder als würden sie nicht in die „normale“ Welt passen. Typische Empfindungen sind:
- Das Gefühl, von anderen nicht verstanden zu werden
- Schwierigkeiten, sich in Gruppen einzufügen oder „dazuzugehören“
- Das Empfinden, soziale Regeln und Codes nicht zu durchschauen
- Überwältigung durch Sinneseindrücke oder Emotionen, die andere scheinbar nicht wahrnehmen
- Ein ständiges Gefühl von Andersartigkeit, Fremdheit oder Isolation
Diese Empfindungen können bereits in der Kindheit beginnen und sich bis ins Erwachsenenalter fortsetzen. Das Alien-Gefühl neurodivers ist dabei kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Hinweis darauf, dass die eigene Wahrnehmung und das eigene Erleben sich von der Mehrheit unterscheiden.
Warum entsteht das Alien-Gefühl bei neurodiversen Menschen?
Die Ursachen für das Alien-Gefühl bei neurodiversen Menschen sind vielfältig. Zu den wichtigsten Faktoren zählen:
1. Unterschiedliche Wahrnehmung und Informationsverarbeitung
Neurodiverse Menschen nehmen ihre Umwelt oft anders wahr als neurotypische Personen. Sie reagieren empfindlicher auf Reize, denken in anderen Mustern oder haben spezielle Interessen. Diese Unterschiede können dazu führen, dass sie sich von ihrer Umgebung entfremdet fühlen.
2. Soziale Herausforderungen
Viele neurodiverse Menschen haben Schwierigkeiten, unausgesprochene soziale Regeln zu erkennen oder sich in Gruppen einzufügen. Small Talk, nonverbale Kommunikation oder Gruppendynamiken können verwirrend sein und das Gefühl verstärken, „nicht dazuzugehören“.
3. Stigmatisierung und Missverständnisse
Leider werden neurodiverse Menschen häufig missverstanden oder stigmatisiert. Ihre Verhaltensweisen werden als „seltsam“ oder „unnormal“ wahrgenommen. Das kann dazu führen, dass sie sich zurückziehen oder sich selbst als „falsch“ empfinden.
4. Anpassungsdruck und Masking
Um nicht aufzufallen, versuchen viele neurodiverse Menschen, sich anzupassen oder ihr wahres Selbst zu verstecken (Masking). Das kostet viel Energie und verstärkt das Gefühl, ein Alien zu sein, da man ständig eine Rolle spielt.
Die Auswirkungen des Alien-Gefühls auf das Leben
Das Alien-Gefühl neurodivers kann weitreichende Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl, die psychische Gesundheit und das soziale Leben haben. Häufige Folgen sind:
- Niedriges Selbstwertgefühl: Das ständige Gefühl, „anders“ oder „falsch“ zu sein, kann das Selbstvertrauen beeinträchtigen.
- Soziale Isolation: Viele Betroffene ziehen sich zurück, weil sie sich unverstanden fühlen oder negative Erfahrungen gemacht haben.
- Angststörungen und Depressionen: Die permanente Anstrengung, sich anzupassen, und das Gefühl der Fremdheit können psychische Belastungen verstärken.
- Identitätsprobleme: Manche neurodiverse Menschen zweifeln an sich selbst oder wissen nicht, wie sie ihre Identität positiv sehen können.
Wege zu mehr Selbstakzeptanz: Das Alien-Gefühl als Stärke begreifen
Das Alien-Gefühl neurodivers muss nicht ausschließlich negativ sein. Viele neurodiverse Menschen entdecken mit der Zeit, dass ihre Andersartigkeit auch wertvolle Stärken und Ressourcen mit sich bringt. Hier sind einige Tipps, wie du lernen kannst, mit dem Alien-Gefühl umzugehen und es vielleicht sogar als Teil deiner Identität zu schätzen:
1. Austausch mit anderen neurodiversen Menschen
Der Kontakt zu anderen, die ähnliche Erfahrungen machen, kann sehr entlastend sein. In Selbsthilfegruppen, Online-Foren oder Social-Media-Communities findest du Verständnis und Unterstützung. Das Wissen, nicht allein zu sein, hilft, das Alien-Gefühl zu relativieren.
2. Beschäftigung mit Neurodiversität
Informiere dich über Neurodiversität und die verschiedenen neurodiversen Profile. Bücher, Podcasts und Blogs können helfen, die eigenen Besonderheiten besser zu verstehen und zu akzeptieren.
3. Eigene Stärken erkennen
Neurodiverse Menschen haben oft besondere Fähigkeiten: Kreativität, analytisches Denken, Detailgenauigkeit oder außergewöhnliche Interessen. Mache dir bewusst, was dich einzigartig macht, und feiere deine Erfolge.
4. Authentizität statt Masking
Es ist anstrengend, sich ständig zu verstellen. Versuche, in sicheren Umgebungen mehr du selbst zu sein. Authentizität stärkt das Selbstwertgefühl und hilft, das Alien-Gefühl zu reduzieren.
5. Professionelle Unterstützung suchen
Wenn das Alien-Gefühl zu stark wird oder psychische Belastungen entstehen, kann professionelle Hilfe sinnvoll sein. Therapeut:innen, die sich mit Neurodiversität auskennen, können dich auf deinem Weg begleiten.
Gesellschaftlicher Wandel: Mehr Akzeptanz für Neurodiversität
Das Alien-Gefühl neurodiverser Menschen ist nicht nur ein individuelles, sondern auch ein gesellschaftliches Thema. Je mehr die Gesellschaft über Neurodiversität weiß und Vielfalt akzeptiert, desto weniger müssen sich neurodiverse Menschen wie Aliens fühlen. Inklusion, Aufklärung und Wertschätzung von Unterschieden sind wichtige Schritte auf dem Weg zu einer toleranteren und empathischeren Welt.
Fazit: Anderssein als Chance
Das Alien-Gefühl bei neurodiversen Menschen ist weit verbreitet und Ausdruck einer besonderen Wahrnehmung der Welt. Auch wenn es manchmal belastend ist, kann es – mit Selbstakzeptanz, Unterstützung und Wissen – zu einer Quelle von Stärke und Identität werden. Neurodiversität bereichert unsere Gesellschaft und zeigt, wie vielfältig menschliche Erfahrungen sein können.
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