Neurodiversität ist längst mehr als ein Schlagwort – sie ist Realität in unseren Klassenzimmern. Kinder mit ADHS, Autismus-Spektrum-Störungen, Dyslexie oder anderen neurologischen Besonderheiten bringen einzigartige Perspektiven und Herausforderungen mit. Für Lehrkräfte bedeutet das: Es braucht ein Umdenken, Empathie und gezielte Strategien, um jedem Kind gerecht zu werden.
Neurodiversität erkennen und verstehen
Der erste Schritt ist Wissen. Neurodiverse Kinder nehmen Informationen anders auf, verarbeiten sie in ihrem Tempo und zeigen oft ungewöhnliche Verhaltensweisen. Diese sind keine Störungen, sondern Ausdruck einer anderen Art zu denken und zu fühlen. Informiere dich über die verschiedenen neurodiversen Profile – zum Beispiel, dass Kinder mit Autismus oft klare Strukturen brauchen oder dass ADHS-Kinder von bewegungsorientierten Lernphasen profitieren. Je besser du die Hintergründe verstehst, desto gezielter kannst du reagieren.
Individuelle Förderung und Differenzierung
Neurodiverse Kinder profitieren von individualisierten Lernangeboten. Das beginnt bei flexiblen Aufgabenstellungen, reicht über alternative Prüfungsformen bis hin zu angepassten Pausenregelungen. Biete verschiedene Zugänge zum Lernstoff an: visuell, auditiv, haptisch. Nutze Checklisten, Visualisierungen und klare Routinen. Für viele neurodiverse Kinder sind feste Strukturen und vorhersehbare Abläufe eine große Hilfe.
Kommunikation und Beziehung
Eine wertschätzende, offene Kommunikation ist das A und O. Sprich mit dem Kind und – falls möglich – mit den Eltern über individuelle Bedürfnisse, Stärken und Herausforderungen. Frage nach, was hilft und was stört. Zeige Verständnis für Überforderung oder Rückzug, aber auch für besondere Interessen und Talente. Eine positive Beziehung ist die Basis für jedes Lernen.
Umgang mit herausforderndem Verhalten
Verhaltensauffälligkeiten sind oft Ausdruck von Überforderung oder Missverständnissen. Reagiere ruhig und reflektiert, ohne zu strafen oder zu moralisieren. Versuche, die Ursache zu erkennen: Liegt eine Reizüberflutung vor? Fehlt eine Pause? Gibt es Missverständnisse in der Kommunikation? Präventive Maßnahmen wie Rückzugsorte oder kurze Bewegungsphasen helfen, Eskalationen zu vermeiden.
Teamarbeit und Vernetzung
Du bist nicht allein! Tausche dich mit Kolleg*innen, Schulsozialarbeit, Sonderpädagogik und ggf. externen Fachkräften aus. Gemeinsame Fallbesprechungen und Fortbildungen helfen, Unsicherheiten abzubauen und neue Lösungswege zu finden.

Fazit
Neurodiversität ist eine Bereicherung. Sie fordert uns als Lehrkräfte heraus, aber sie eröffnet auch neue Perspektiven auf Lernen und Zusammenleben. Mit Empathie, Fachwissen und Offenheit kannst du als Lehrkraft einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass sich neurodiverse Kinder in der Schule angenommen und gefördert fühlen.
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