Was ist Co-Regulation:

Co-Regulation bedeutet, dass Eltern ihrem Kind dabei helfen, starke Gefühle oder innere Unruhe zu regulieren, indem sie selbst ruhig, präsent und unterstützend bleiben. Das Kind „leiht“ sich sozusagen die innere Stabilität der Eltern, bis es selbst wieder in Balance kommt. Es geht nicht darum, Probleme sofort zu lösen oder Gefühle wegzumachen, sondern dem Kind Sicherheit, Struktur und Nähe zu geben.

Was hat das mit „Neurodiversität/-divergenz“ zu tun?

Neurodivergenz bedeutet, dass das Gehirn Informationen, Reize und Gefühle anders verarbeitet als bei den meisten Menschen. Das ist weder „falsch“ noch „krank“, sondern einfach eine andere Art, die Welt wahrzunehmen und zu reagieren.

Man kann sich das bildlich so vorstellen:

  • Neurotypische Kinder haben ein „Filtersystem“ im Gehirn, das Reize (Geräusche, Licht, Gefühle) wie ein Sieb sortiert. Nur das Wichtige kommt durch, der Rest wird ausgeblendet.
  • Neurodivergente Kinder (z. B. mit ADHS, Autismus, Hochsensibilität) haben ein Sieb, das gröbere oder feinere Löcher hat. Dadurch kommt entweder zu viel durch (Reizüberflutung, Meltdowns, Zappeligkeit) oder zu wenig (Verträumtheit, Rückzug, Shutdown).

Das heißt:

  • Gefühle können viel intensiver erlebt werden.
  • Reize wie Geräusche, Licht oder Berührungen können schneller zu viel sein.
  • Strukturen, Routinen und klare Signale sind oft wie ein Geländer, das dem Kind Sicherheit gibt.
  • Co-Regulation durch Eltern ist wie ein ruhiger Anker im Sturm: Das Kind kann sich an der Ruhe und Klarheit der Eltern orientieren, bis es wieder in Balance kommt.

Wichtige Hinweise für Eltern neurodivergenter Kinder

  • Reizreduktion ist Schlüssel: Weniger Geräusche, weniger Licht, weniger Input → mehr Sicherheit.
  • Vorhersehbarkeit beruhigt: Routinen, visuelle Pläne oder Timer geben Orientierung.
  • Sensorische Hilfen nutzen: Gewichtdecken, Fidget-Tools, Kaugummi oder Bewegungspausen unterstützen Regulation.
  • Eltern als Anker: Kinder spüren die innere Ruhe der Eltern – je klarer und ruhiger du bist, desto leichter kann dein Kind sich regulieren.

Merksatz für Eltern

„Mein Kind braucht in starken Gefühlen nicht mehr Druck, sondern weniger Reize, klare Struktur und meine Ruhe.“

Eltern-Handkarten: Co-Regulation bei neurodivergenten Kindern 

Wut oder Melt-down

Signale deines Kindes:

⚠️ hauen, treten, schreien, weinen

⚠️etwas kaputt machen

Was du tun kannst:

❣️ruhig bleiben, durchatmen

❣️Stimme tief, ruhig

❣️keine Vorwürfe

❣️Kind schützen, abschirmen (vor Gaffern)

❣️Kind Raum, Zeit, Ruhe bieten

❣️Nicht festhalten (nur bei Selbst-/Fremdschutz) oder wenn das Kind es will

❣️Grenzen setzen bei Gewalt: mit klarer, ruhiger Stimme „Halt, Stop. Ich lasse ich nicht haue. Wir stehen das zusammen durch. Wut ist okay. Ich lasse dich nicht allein.“

Reizüberforderung/ Stress & Shut down

Signale deines Kindes:

⚠️innerer Rückzug

⚠️Schweigen, „Sprachlosigkeit“

⚠️äußerlich zurück ziehen

Was du tun kannst:

❣️sofort Reize reduzieren (Geräusche, Licht)

❣️Ruhe & stille Nähe

❣️“Du bist sicher. Du hast Zeit. Ich bin so lange da, wenn du möchtest.“

❣️evtl. Körperkontakt (anbieten)

❣️manchmal Umarmen von hinten angenehmer

❣️Routinen und Rituale um sanft in den Tag zu starten und ihn zu Enden

❣️Übergänge ankündigen

❣️Regelmäßig Pausen, bevor das Gehirn zeigt, dass es JETZT eine braucht

Starke innere oder äußere Unruhe

Signale deines Kindes:

⚠️abgelenkt

⚠️zappelig

⚠️verträumt

⚠️sehr vergässlich

Was du tun kannst:

❣️körperliche Nähe, zB Hausaufgaben auf deinem Schoß oder eng daneben sitzen mit kleinem, sanften Körperkontakt

❣️selbst ruhig und geerdet bleiben

❣️bewusst atmen

❣️Atemtechnik anbieten

❣️Zappelpausen einbauen

❣️Stress ausschütteln, wegklopfen

❣️“Das ist gerade ganz schön schwer. Komm, wir versuchen zusammen die Aufgabe nach einer kleinen Pause zu Ende zu machen.“

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