Quick-Tipps für Lehrkräfte
1. Struktur und Vorhersehbarkeit
- Verwenden Sie visuelle Stundenpläne und klare Routinen. Klare Farb-Codes helfen oder Symbole aus dem Spezialinteresse des Kindes.
- Kündigen Sie Veränderungen frühzeitig an (z. B. Vertretung, Ausflug, Raumwechsel).
- Nutzen Sie Checklisten oder Ablaufkarten für komplexe Aufgaben.
2. Reizumgebung anpassen
- Ruhige Arbeitsplätze oder Rückzugsorte bereitstellen.
- Lärmquellen reduzieren – ggf. Kopfhörer oder Ohrstöpsel erlauben.
- Lichtquellen anpassen – grelles Licht vermeiden, Tageslicht bevorzugen.
- Körperkontakt vermeiden, wenn das Kind das nicht möchte (z. B. kein Schulterklopfen).
- Stimming-Tools erlauben – Bewegung verbessert die Konzentration – für alle Kinder. Es spricht nichts dagegen, wenn mal im Stehen gearbeitet, ein Fummel-Gadget genutzt und leise gesummt wird.
- Summen/Singen: viele Betroffene summen/brummen/singen um sich zu stimulieren. Es einfach zu verbieten hilft oft nicht, das Bedürfnis ist zu tief und es passiert zu automatisch. Übt langsam Verständnis für die anderen Schüler:innen aufzubauen – falls das Summen/Singen wirklich stört. Vielleicht geht es „Flüsterleise“ oder die Musik darf mit Kopfhörern im Kopf bleiben oder ein Ersatz wird genutzt (Schwereweste, Fumel-Gadgets). Vielleicht hilft auch ein Platzwechsel.
3. Kommunikation klar und respektvoll
- Klare, direkte Sprache – keine Ironie oder Redewendungen.
- Blickkontakt nicht erzwingen – viele autistische Menschen verarbeiten Sprache besser, wenn sie nicht gleichzeitig Blickkontakt halten müssen.
- Visuelle Unterstützung – Symbole, Piktogramme, Farbcodes, schriftliche Anweisungen.
- Nachfragen statt interpretieren – ruhig klären, was das Kind braucht.
4. Soziale Situationen begleiten
Gruppenarbeit
– überfordert Kinder mit Autismus oft. Es benötigt zu viele soziale Kompetenzen und es gibt zu viele soziale Muster. Die soziale Kompetenz wird nicht besser, wenn das Kind mit Gruppenarbeit überfordert wird. Wähle bedachtsam aus, mit welchem anderen Kind (maximal 1-2 weitere Kinder) am besten zusammengearbeitet werden kann. Vielleicht kann diese Kleingruppe in einem leisen Nebenraum arbeiten oder anders mehr von Reizen abgeschirmt werden. Denn die Gruppenarbeit is schon eine massive Belastungssituation. Wenn das autistische Kind sich nicht mehr beteiligt oder kaum an Regeln halten kann, dann, weil es überfordert ist. Schimpfen und Maßregeln, Ampeln und böse Smileys werden jetzt nicht helfen, sondern: eine Reduktion der Belastung.
- Gruppenarbeit strukturieren: feste Rollen, kleine Gruppen, klare Aufgaben.
- Pausenräume oder „stille Zonen“ anbieten, um Reizüberflutung zu vermeiden.
- Peer-Buddys oder feste Bezugspersonen einsetzen.
5. Interessen nutzen
- Spezialinteressen einbinden – z. B. in Projekten, Textaufgaben oder Referaten.
- Expert:innenrollen zulassen, um Selbstwert und Motivation zu stärken.
- Leidenschaft wertschätzen, nicht als „Fixierung“ abwerten und nicht bewerten nach „Nützlichkeit“.
6. Umgang mit Overload, Meltdown und Shutdown
- Frühwarnzeichen erkennen – Rückzug, Unruhe, Reizbarkeit, starkes Stimming (schaukeln, Geräusche machen, Reize suchen)
- Reizreduktion sofort ermöglichen – Raum verlassen, Kopfhörer, Pause.
- Keine Strafen oder Diskussionen während der Überlastung.
- Nachbesprechung erst, wenn das Kind wieder reguliert ist.
- Sofort abschirmen und schützen: sichere, den sozialen Raum des Kindes. Gib den anderen Kindern im Raum eine Aufgabe zum selber weitermachen. Wenn Möglich, schütze das Kind im Meltdown vor Blicken, gib Ruhe und Zeit, berühre das Kind nicht (es sei denn, es möchte dies) und bedränge es nicht mit Fragen.
Haltung macht den Unterschied
Autistische Kinder brauchen keine „Therapie zur Anpassung“, sondern ein Umfeld, das ihre Wahrnehmung respektiert.
Wenn Lehrkräfte Reizquellen erkennen, klare Strukturen schaffen und Kommunikation anpassen, entsteht Sicherheit – die Basis für Lernen und Vertrauen.
Eine innere, positive Haltung zum Kind, die Gleichwertigkeit und Respekt schafft, statt Unterschiede betont und Defizite hervorhebt, macht einen erheblichen unterschied im Selbstwert und der Selbstwahrnehmung. So können autistische Kinder ihre Stärken entdecken und entwickeln.

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