
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist mehr als nur Zappeligkeit oder Vergesslichkeit. Viele Menschen mit ADHS sind echte Abenteurer – sie suchen ständig das Neue, den Kick, das Risiko. Aber warum ist das eigentlich so? Und warum können Menschen mit ADHS Gefahren oft schlechter einschätzen? In diesem Blogbeitrag erfährst du alles über das Zusammenspiel von ADHS, Dopamin und Risikoverhalten – leicht verständlich, bunt und mit einer Prise Humor!Bei mir treffen zwei interessante Welten aufeinander: Ich wurde von einem seeeehr vorsichtigen Vater großgezogen, der seine einzige Tochter – das Nesthäkchen und einzige Mädchen weit und breit im Stammbaum – gut behütet wissen wollte. Ich war als Kind ziemlich tollpatschig, unsicher, unselbstständig, verträumt und vergesslich und bin schnell in Tränen ausgebrochen. Diesen Anteil hat mein Vater – sicher ungewollt – noch bestärkt.
Gleichzeitig hatte ich aber auch eine ganz andere Seite: Ich bin gern allein in den Wald gegangen, auch im Dunkeln und bei Sturm. Später, mit 19, bin ich sogar allein nach Asien gereist. Manchmal brauche ich einfach das Gefühl, dass es schnell, laut und ein bisschen gefährlich ist. Trotzdem habe ich mit der Zeit ein gesundes Risikobewusstsein entwickelt und hole mir meine „Kicks“ inzwischen ohne Lebensgefahr.
Wer in solchen Dingen nicht gut reflektiert ist oder sich von seiner Dopamin-Sucht steuern lässt (bei Jungs kommt oft noch der „Testosteron-Rausch“ dazu), wird dann vielleicht ein risikofreudiger Autoraser, Motorradfahrer oder Extremsportler.
Auch beim Thema Sex kann es schwierig werden: Gehörst du zu den Menschen, die sich gern dem Moment hingeben, öfter mal einen One-Night-Stand haben und dabei das Verhüten vergessen?
ADHS und der ewige Dopamin-Kick: Das Dopamin-Mangelsyndrom
Das Geheimnis hinter dem erhöhten Risikoverhalten bei ADHS liegt im Gehirn – genauer gesagt beim Botenstoff Dopamin. Dopamin ist unser körpereigener „Glücksbringer“ und Belohnungsstoff. Bei Menschen mit ADHS funktioniert das Dopamin-System jedoch nicht optimal. Das nennt man auch das Dopamin-Mangelsyndrom.
Was bedeutet das für den Alltag?
- Menschen mit ADHS empfinden Routine und Langeweile als besonders unangenehm.
- Sie brauchen mehr Reize und neue Erfahrungen, um ein „normales“ Glücksgefühl zu erleben.
- Risiken, Abenteuer und spontane Aktionen bringen den dringend benötigten Dopamin-Kick.
Risikoverhalten bei ADHS: Warum Gefahren oft unterschätzt werden
Risikoverhalten bei ADHS ist weit verbreitet. Das Gehirn sucht ständig nach neuen Reizen, um das Dopamin-Level zu erhöhen. Dadurch werden Risiken und Gefahren oft weniger gut eingeschätzt – der Wunsch nach dem Belohnungsgefühl überwiegt die Vorsicht.
Typische Beispiele für Risikoverhalten bei ADHS:
- Spontane Roadtrips ohne Plan
- Extremsportarten oder waghalsige Aktionen
- Schnelles Autofahren oder riskantes Verhalten im Straßenverkehr
- Impulsive Entscheidungen im Alltag
Das Motto lautet oft: No Risk, no Fun! – und das ist bei ADHS tatsächlich wissenschaftlich begründet.
Ursachen: Warum brauchen Menschen mit ADHS mehr Dopamin?
Das Dopamin-Mangelsyndrom bei ADHS sorgt dafür, dass das Gehirn nach mehr Belohnung und Stimulation verlangt. Das führt dazu, dass Menschen mit ADHS häufiger Risiken eingehen und Gefahren weniger gut einschätzen. Ihr Gehirn ist quasi immer auf der Suche nach dem nächsten „Wow!“-Moment.
Differentialdiagnose: Was kann noch hinter Risikoverhalten stecken?
Nicht jeder, der Risiken liebt oder Gefahren unterschätzt, hat automatisch ADHS. Es gibt auch andere Ursachen für erhöhtes Risikoverhalten:
- Persönlichkeitsmerkmale: Manche Menschen sind einfach von Natur aus abenteuerlustig.
- Bipolare Störung: In manischen Phasen wird häufig impulsives und riskantes Verhalten gezeigt.
- Suchtverhalten: Alkohol, Drogen oder Glücksspiel können das Risikoverhalten beeinflussen.
- Pubertät: Jugendliche sind generell risikofreudiger.
- Traumatische Erfahrungen: Manche Menschen suchen Risiken, um sich lebendig zu fühlen oder etwas zu kompensieren.
Eine genaue Differentialdiagnose ist daher wichtig, um ADHS von anderen Ursachen für Risikoverhalten abzugrenzen.
Fazit: Mit ADHS wird das Leben selten langweilig
Menschen mit ADHS leben oft nach dem Motto „No Risk, no Fun“. Das hat viel mit dem Dopamin-Mangelsyndrom und der Suche nach dem nächsten Kick zu tun. Wer sich selbst besser versteht, kann lernen, Risiken bewusster einzugehen – und vielleicht auch mal den Sicherheitsgurt anzulegen, bevor es wieder auf die Achterbahn des Lebens geht.
Tipp: Wer unsicher ist, ob das eigene Risikoverhalten mit ADHS zusammenhängt, sollte sich an eine Fachperson wenden. Eine professionelle Diagnose hilft, die Ursachen zu klären und die passenden Strategien zu finden.
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