Illustration von vier Strichmännchen, wobei eines kopfüber steht, um unterschiedliche Verhaltensweisen darzustellen.

Immer mehr Menschen stellen sich die Frage: Wie neurodivers bin ich? Neurodiversität beschreibt die natürliche Vielfalt neurologischer Unterschiede, wie sie zum Beispiel bei Autismus, ADHS, Dyslexie oder Hochsensibilität vorkommen. Neurodiversität bedeutet, dass Unterschiede in der Wahrnehmung, im Denken und im Verhalten keine Defizite, sondern Varianten menschlicher Entwicklung sind.

Wie kann ich Neurodiversität bei mir selbst erkennen?

Viele Menschen fragen sich: „Bin ich vielleicht neurodivers?“ Die Merkmale sind vielfältig und können sich je nach neurodiverser Ausprägung (z.B. Autismus, ADHS, Hochsensibilität, Legasthenie) unterscheiden. Eine richtige Diagnose kann und sollte nur ein spezialisierter Arzt oder Ärztin vornehmen.

Hier sind ein paar Merkmale, die dir helfen können, dich selbst auf die Reise zu begeben:

  • Starke Reizempfindlichkeit: Geräusche, Licht, Gerüche oder Berührungen werden als intensiver oder störender wahrgenommen als bei anderen.
  • Ungewöhnliche Interessen oder Spezialinteressen: Sehr tiefes Eintauchen in bestimmte Themen, oft mit großem Fachwissen.
  • Schwierigkeiten mit Small Talk und sozialen Konventionen: Unsicherheit bei Small Talk, Ironie oder unausgesprochenen Regeln.
  • Intensive Gefühlswelt: Emotionen werden besonders stark erlebt, manchmal auch schwer kontrollierbar.
  • Probleme mit Zeitmanagement und Organisation: Schwierigkeiten, Aufgaben zu planen oder Prioritäten zu setzen (häufig bei ADHS).
  • Starkes Bedürfnis nach Routinen: Veränderungen oder unerwartete Ereignisse lösen Stress aus.
  • Schnelle Überforderung in Gruppen: Nach sozialen Kontakten besteht ein großes Bedürfnis nach Rückzug und Erholung.
  • Ungewöhnliche Denkweisen: Originelle Problemlösungen, Querdenken oder das Erkennen von Mustern, die anderen verborgen bleiben.
  • Motorische Besonderheiten: Ungeschicklichkeit, Tics oder wiederholte Bewegungen (Stimming).
  • Lese- oder Rechtschreibprobleme: Trotz Intelligenz Schwierigkeiten beim Schreiben oder Lesen (Legasthenie).
  • Hohe Kreativität: Ausgeprägte Fantasie, künstlerisches Talent oder innovative Ideen.
  • Hyperfokus: Die Fähigkeit, sich stundenlang mit einem Thema zu beschäftigen, während andere Aufgaben schwerfallen.
  • Vergesslichkeit und Ablenkbarkeit: Besonders bei ADHS häufiges Vergessen von Terminen oder Gegenständen.
  • Probleme mit Blickkontakt: Unsicherheit oder Unwohlsein beim Blickkontakt.
  • Starke Gerechtigkeitssinn: Sensibilität gegenüber Ungerechtigkeit oder Regelverstößen.

Wichtig: Nicht alle Merkmale müssen zutreffen, und viele Menschen erkennen sich in einzelnen Punkten wieder, ohne neurodivers zu sein. Wenn du dich in mehreren dieser Bereiche wiederfindest und das Gefühl hast, dass dein Alltag dadurch beeinflusst wird, kann es sinnvoll sein, dich weiter mit dem Thema Neurodiversität zu beschäftigen oder professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen.

Persönliche Reflexion: Wie neurodivers bin ich?

Die Frage „Wie neurodivers bin ich?“ ist auch eine Einladung zur Selbstreflexion. Vielleicht hast du schon erlebt, dass du in bestimmten Situationen anders reagierst oder denkst als andere. Vielleicht fällt es dir leicht, dich in Spezialthemen zu vertiefen, oder du bist besonders sensibel für Stimmungen und Reize. Diese Eigenschaften können Hinweise auf Neurodiversität sein – und sie sind oft mit besonderen Stärken verbunden.

Warum es wichtig ist, Neurodiversität zu erkennen

Zu wissen, wie neurodivers man ist, kann helfen, die eigenen Stärken besser zu nutzen und Herausforderungen gezielt anzugehen. Offenheit für die eigene Neurodiversität fördert Selbstakzeptanz und kann dazu beitragen, das persönliche Wohlbefinden zu steigern. Außerdem hilft es, im Alltag und Beruf passende Strategien zu entwickeln und Unterstützung zu finden.


Eine persönliche Betriebsanleitung

Ich lade dich hiermit ein, deine persönliche Betriebsanleitung zu entdecken. Meine Diagnose hat mir auch als Erwachsene – trotz meines Fachwissens! – geholfen, meine Betriebsanleitung zu verfeinern und auch in meinen zwischenmenschlichen Beziehungen eine noch schönere Kommunikation zu entwickeln.

Viele neurodiverse Menschen kennen das Gefühl, im Alltag immer wieder an unsichtbare Grenzen zu stoßen. Oft sind es nicht die eigenen Fähigkeiten, sondern das Unverständnis der Umwelt und die fehlende Klarheit über die eigenen Bedürfnisse, die das Leben erschweren. Hier setzt das Konzept der persönlichen Betriebsanleitung an – ein wertvolles Werkzeug, um sich selbst besser zu verstehen und anderen die eigene Funktionsweise zu erklären.

Was ist eine „Betriebsanleitung“?

Eine persönliche Betriebsanleitung ist eine Art Gebrauchsanweisung für sich selbst. Sie beschreibt, wie man „funktioniert“, was einem guttut, was Stress auslöst, welche Kommunikationsformen passen und wie man am besten unterstützt werden kann. Besonders für neurodiverse Menschen ist so eine Betriebsanleitung hilfreich, weil sie Klarheit schafft – für sich selbst und für das Umfeld.

Warum ist eine persönliche Betriebsanleitung so wichtig?

  • Selbstverständnis stärken: Wer seine eigenen Bedürfnisse, Stärken und Schwächen kennt, kann gezielter für sich sorgen und Überforderung vermeiden.
  • Kommunikation erleichtern: Eine Betriebsanleitung hilft, Missverständnisse zu vermeiden und anderen zu erklären, wie sie am besten mit einem umgehen können.
  • Grenzen setzen: Sie macht es leichter, Grenzen zu benennen und für sich einzustehen.
  • Stress reduzieren: Wenn man weiß, was einem hilft und was nicht, kann man gezielt Strategien entwickeln, um Stress zu vermeiden.
  • Selbstakzeptanz fördern: Das Bewusstsein für die eigene Funktionsweise ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Selbstakzeptanz und einem selbstbestimmten Leben.

Beispiele für meine persönliche Anleitung:

  1. Ab 20 Uhr Abends brauche ich meine Me-Time, denn sonst kann ich nicht genug Tages-Spannung abbauen.
  2. Länger als 2h kann ich nicht still sitzen. Entweder wird ein Besuch dann beendet oder ich habe die Möglichkeit kurze Bewegungs-Interaktionen einzubauen. So nehme ich mir zu Hause die Freiheit, auch bei Besuch, meinen Bewegungsdrang z.B. durch Abwaschen zu erledigen oder meine Gäste auf eine „Hunderunde“ mitzunehmen.
  3. Ich muss jeden Tag, egal ob Wochenende oder Urlaub, spätestes 7uhr aufgestanden sein. Sonst hat das fatale Folgen.
  4. Ich brauche meine Yoga-Routine am morgen, gleich nach dem Kaffee.
  5. Das erste was nach dem Wach-werden passieren muss, ist: Kaffee mit Milchschaum und 20-30min langsam auf der Couch im Tag ankommen.
  6. Wenn ich emotional werde, gehe ich zu meinen Partner und fordere eine Umarmung ein.
  7. Ich habe ein festes Schlafritual.
  8. Ich schlafe in meinem eigenen Zimmer, ich ertrage keine menschlichen Geräusche beim schlafen.
  9. Ich meide Orte mit zu vielen Reizen (Konzerte, Weihnachtsmärkte usw.)
  10. Ich brauche viel Me-Time um mich sozial zu regenerieren.

Diese Regeln musste ich mir erlauben und zum Teil aus gesellschaftlichen Konventionen ausbrechen. Vor allem bei der Frage: Darf man als Ehepaar zwei Schlafzimmer haben? Die Antwort: Ja! Und es macht NICHTS schlechter.

Fazit: Wie neurodivers bin ich?

Jeder Mensch ist einzigartig. Die Frage „Wie neurodivers bin ich?“ regt dazu an, die eigene Individualität zu entdecken und wertzuschätzen. Neurodiversität ist eine Stärke, die unser Leben bereichern kann – wenn wir sie erkennen und annehmen.

Hast du dich auch schon gefragt, wie neurodivers du bist? Teile deine Erfahrungen und Gedanken in den Kommentaren oder informiere dich weiter über!

Teste dich: Gute Selbsttests

Für eine richtige Einschätzung braucht man Psychiater:innen mit Fachexpertise in diesen Bereichen. Aber hier findest du ein paar interessante Links, die dir eventuell schon mal auf die Spur helfen:

Aspi-Quiz: Selbsttest ASS

Selbsttest Hochsensibilität

Selbsttest ADHS

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3 Antworten zu „Wie neurodivers bin ich? – Neurodiversität erkennen und verstehen“