Kinder zu unterrichten ist eine große Herausforderung die sehr erschwert wird, durch diffuse oder fehlende Informationen zum Thema Neurodivergenz (zB Autismus und ADHS).
Da uns allen am Herzen liegt, Kinder für das Lernen zu begeistern und sie auf ein Leben als glückliche, kompetente Erwachsene vorzubereiten, haben wir ein paar grundsätzliche Informationen für Sie zusammengestellt und Tipps, die Ihren Alltag in der Schule erleichtern.
💡 Was ist ADHS?
- Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
- Neurodivergente Funktionsweise des Gehirns (angeboren & erblich)
- Kein Erziehungsproblem!
Merkmale:
- Probleme mit Aufmerksamkeit, Impulskontrolle, Organisation
- Unausgeglichenes Neurotransmittersystem (Informationen werden verzögert oder gar nicht verarbeitet, Reizüberflutung)
- Minderdurchblutung im Frontalhirn (hier sitzt u.a. Impulskontrolle, Handlungsplanung, Aufmerksamkeit…)
- Häufig kombiniert mit Autismus, Legasthenie, LRS oder Dyskalkulie
Subtypen:
- Hyperaktiv-Impulsiv: Bewegungsdrang, starke Emotionen, wenig Fokus
- Unaufmerksam (ADS): verträumt, vorsichtig, still, innere Unruhe wie Gedankenkreisen und Träumen (häufig Mädchen)
- Mischform
🌟 Stärken von ADHS-Kindern
- Kreativität (Ideenreichtum, Bau- und Spielideen, Musik etc.)
- Empathie & soziale Feinfühligkeit
- Körperliche Energie
- Hyperfokus bei Lieblingsthemen: blitzschnelles Lernen und im Thema „versinken“
👩🏫 Tipps für den Unterricht
🗣️ Kommunikation
- Wertschätzend & bestärkend
- Blickkontakt + evtl. leichte Berührung (Arm) zur Fokussicherung
- Kurz & klar formulieren
- Hilfreiche Frage: „Was sollst du tun?“ (Auf Augenhöhe, nicht „von oben herab“.)
- Fehlerkultur:
→ „Fehler passieren. Daraus lernen wir.“
🧘 Reizreduktion & Sitzplatz
- Nicht im Gang oder neben Unruhestiftern
- Trennwände, Gehörschutz möglich
- Ruheraum oder Rückzugsort mit Begleitung bei Reizüberflutung (bei emotionaler Regulationsproblematik oder Reizüberflutung)
🌀 Bewegungsdrang nutzen („Zappelhilfen“)
Unterdrückung macht alles schlimmer. Stattdessen:
- Gummitwist unterm Tisch
- Fidget-Tools (Ball, Ring, Spinner)
- Knetmasse oder Massagering
- Bewegungspausen ermöglichen und dazu auffordern (Treppen hoch und runter laufen)
- Arbeit im Stehen anbieten
- verschiedene Sitzmöglichkeiten abieten
Hausaufgaben-Lastreduzieren
Neurodiverse Kinder werden oft unter einem Berg von Hausaufgaben begraben. Nachdem sie einen Schultag geschafft haben, müssen sie ihr Lerndefizit zu Hause nachholen und sitzen oft übermäßig lang an Hausaufgaben oder dem, was im Unterricht nicht geschafft wurde.
- Frust-Kreislauf durchbrechen: maximal (!) 10min konzentriertes Arbeiten pro Unterrichtsfach inkl. Hausaufgaben
- Nach den 10min: Freizeit! Was nicht geschafft wurde, ist nicht geschafft. Lasst zu, dass Eltern dies einschätzen dürfen und kein ungesunder Ehrgeiz Kinder kaputt macht.
Material zum visualisieren erlauben
Kinder mit Neurodivergenz brauchen oft unterstützendes Material um einen abstrakten Lehrinhalt zu begreifen. Dies wird ihnen aber oft verweigert, weil die Schulregeln dies eben so vorsehen.
- Kinder mit Legasthenie: Zeilenlesehilfe, Buchstabentafel mit Anlautilfe
- Kinder mit Dyskalkulie: Rechenfidgets, Rechenschieber, Würfelaugen-Karten…
Es gibt viele Möglichkeiten, wie ein Kind mit Lernproblemen visuelle Unterstützung bekommen kann, um einen Inhalt zu automatisieren. Starre Regelkonzepte, was die Materialauswahl angeht, fördert gar nichts.
✅ Positiv markieren – mit dem Grünstift
- Fokus auf das Richtige, nicht nur Fehler!
- Stärkt Motivation & Selbstwert
- ADHS-Kinds lernen mit visueller Hilfe, „das richtige Bild“ brennt sich ein
- Grünstift Kommentare – Beispiel:
„Du hast dich heute richtig bemüht – klasse!“
Bonussysteme – aber fair!
Besser als Ampeln oder Smileys:
🔸 Stempelkarte am Platz:
- Stempel einen Smiley bei:
- gewünschtem Verhalten (zuhören, hinsehen, an das Melden denken etc.)
- Belohnung: z. B. Hausaufgabe weniger, Klassentier mitnehmen
- Wichtig: Punkte nicht abziehen bei Misserfolg!
Warum Ampeln ungeeignet sind:
- Ampelsysteme bewerten oft das Individuum im Kontext der ganzen Klasse.
- Bei Ampelsystemen erhalten Kinder mit ADHS/Autismus usw. meist nur eine negative Spiegelung ihrer Unzulänglichkeiten und keine Motivation.
Unterstützungsangebot
Im Rahmen der Ergotherapie beraten wir auch zum Umgang mit ADHS in deiner Klasse. Sprich die Eltern auf betreuende Therapeut:innen und einen Wunsch des professionellen Austauschen an!
Vielleicht ist es auch an der Zeit, in der Schule eine interne Fortbildung zum Thema Neurodivergenz im Unterricht zu machen? Bestimmt gibt es auch einen Experten oder Expertin in eurer Nähe!
📎 Tipp: Hänge dieses Handout sichtbar im Lehrerzimmer auf oder teile es im Kollegium. Für die Kinder kann es einen echten Unterschied machen.
Du hast Fragen? Dann frag, dafür bin ich da. ❤️
Empfehlung: Du willst mehr wissen zum Thema Lernen und Kind bei Neurodiversität? Dann schau hier rein:
💡Das neurodiverse Schulkind – Was kannst du tun? – Infos für Lehrpersonal
💡Dyskalkulie – Warum manche Kinder einfach nicht rechnen können
💡Auditive Wahrnehmung – Warum manche Worte „vorbeirauschen“
💡 Mein Kind hört nicht! – Wie du destruktive Kommunikationsschleifen beendest

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