ADHS bei bei weiblich gelesenen Personen oft spät erkannt, auch weil sich Symptome im Verlauf des Lebens und sogar innerhalb eines Monats verändern können. Ein zentraler Faktor dabei sind Hormone. Aktuelle Forschung zeigt, dass insbesondere Östrogen und Progesteron sowohl die Ausprägung von ADHS-Symptomen als auch die Wirkung von Medikamenten beeinflussen können.
In diesem Artikel erfährst du, wie der Menstruationszyklus, hormonelle Veränderungen und ADHS-Medikation zusammenhängen und was das für den Alltag bedeutet.
ADHS und Menstruation: Warum Hormone eine wichtige Rolle spielen
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) wird bei Menschen mit Menstruationshintergrund häufig übersehen oder falsch eingeordnet. Wir weiblich sozialisierten Menschen sind oft angepasster und neigen zum maskieren (= verbergen unserer Probleme und unseres „Andersseins“). Wir sind häufig weniger extrovertiert in unserem Stil und keiner erkennt im stillen, lieben „Mädchen“ die innere Unruhe, die abschweifenden Gedanken und den Kampf um die Konzentration. Stereotype wie „Mädchen sind eben verträumt./-nicht gut in Mathe-/-unsportlicher./-weinen viel.“ verhindern eine reale Einschätzung des Unterstützungsbedarfs und machen den Leidensdruck unsichtbar.
Ein weiterer Grund für das spätere Erkennen von weiblich gelesenen Personen mit ADHS ist auch, dass die Symptome oft stärker von biologischen Faktoren beeinflusst werden. Wie viel die starken hormonellen Schwankungen im laufe eines Zyklus einer Person mit Uterus abverlangen, ist immer noch sehr unterschätzt, wird belächelt und von der Umwelt bestraft mit Aussagen wie „Sie kann doch nicht jeden Monat einen Tag krank sein!“
-oh doch. Und wie!
Und eigentlich sollten alle verdammt noch mal applaudieren, dass Mensch am 2. Tag schon wieder arbeiten kann. Ganz abzusehen von der monatlichen Erniedrigung, sich auf Arbeit krank zu melden und beim Doktor krank schreiben zu lassen. Denn in vielen Jobs gibt es keine 3-Tage-Sei-Krank-Wie-Du-Willst-Regel.
Forschende weisen auf, dass Menschen mit ADHS und Östrogen weit aus stärker auf schon geringe Schwankungen im Hormonhaushalt reagieren in den Bereichen der:
- Stressverarbeitung
- Emotionaler Regulation
- und Konzentration.
Hormone wie Östrogen wirken direkt auf das Dopamin-System im Gehirn, genau dort, wo viele ADHS-Medikamente ansetzen. Als Dopmain-Booster wirkt sich Östrogen auf die Produktion, Freizetzung und Abbaugeschwindigkeit von Dopamin aus. Der Hormonspiegel kann also stark beeinflussen, wie gut Konzentration, Impulskontrolle und emotionale Regulation funktionieren.
Typische Zusammenhänge:
- Hoher Östrogenspiegel führt oft zu besserer Konzentration und stabilerer Stimmung
- Niedriger Östrogenspiegel geht häufiger mit Unaufmerksamkeit, Reizbarkeit und mentaler Erschöpfung einher
- Höheres Progesteron kann ADHS-Symptome verstärken
- PMS tritt häufiger bei Menschen mit ADHS auf
ADHS und Menstruationszyklus: Symptome im Monatsverlauf
Menschen mit Menstruationshintergrund und ADHS berichten, dass die Symptome im Zyklusverlauf schwanken. Besonders relevant sind die hormonellen Veränderungen rund um Eisprung und Periode.
Typischer Verlauf:
- Nach der Periode mit steigendem Östrogen verbessert sich oft die Fokusfähigkeit
- Um den Eisprung mit hohem Östrogen erleben viele ihre beste kognitive Phase
- Nach dem Eisprung mit mehr Progesteron nehmen Unruhe oder Reizbarkeit zu
- Vor der Periode bei niedrigem Östrogen sind die ADHS-Symptome oft am stärksten
In der prämenstruellen Phase treten häufig Konzentrationsprobleme, emotionale Dysregulation und Überforderung im Alltag auf.
Einfluss von Hormonen auf ADHS-Medikamente
Ein wichtiger, oft unterschätzter Punkt ist, dass ADHS-Medikamente nicht bei allen Menschen mit Zyklus konstant gleich wirken.
Studien und Erfahrungswerte zeigen:
- Bei niedrigem Östrogen, zum Beispiel vor der Periode, kann die Wirkung von Stimulanzien wie Methylphenidat oder Amphetaminen schwächer sein
- Die Wirkdauer kann sich verkürzen
- Symptome können trotz Medikation stärker auftreten
In Phasen mit hohem Östrogen berichten viele dagegen von besserer Wirksamkeit, stabilerer Aufmerksamkeit und weniger emotionalen Schwankungen.
ADHS im Lebensverlauf: Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre
Hormonelle Einflüsse zeigen sich nicht nur im Monatszyklus, sondern auch über das ganze Leben hinweg.
- In der Pubertät werden Symptome oft erstmals deutlich oder stärker
- In der Schwangerschaft sind die Effekte unterschiedlich und reichen von Verbesserung bis Verschlechterung
- In der Perimenopause und Menopause kommt es häufig zu einer Zunahme von Konzentrationsproblemen und mentaler Erschöpfung durch sinkendes Östrogen
Was bedeutet das für die Behandlung von ADHS?
Die Erkenntnisse legen nahe, dass ADHS im Zyklus nicht statisch ist. Stattdessen kann eine individuell angepasste Behandlung sinnvoll sein.
Mögliche Ansätze:
- Zyklusbasierte Beobachtung von Symptomen
- Dokumentation der Medikamentenwirkung
- Ärztlich begleitete Anpassung der Dosierung bei Bedarf
- Berücksichtigung hormoneller Faktoren in der Therapie
Standardisierte Leitlinien dazu fehlen bisher, da die Studienlage noch begrenzt ist. Dennoch zeigt sich klar, dass ein personalisierter Ansatz helfen kann, Schwankungen besser zu verstehen und zu managen.
Im unten verlinkten Artikel der GEO werden folgende medikamentöse Hilfen genannt um die negativen Folgend er Hormonschwankungen abzumildern:
- Mönchspfeffer
- niedrig dosierte Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI)
- Erhöhung des ADHS Medikament um 5-10mg an den Tagen vor der Regel
Fazit: ADHS, Hormone und individuelle Behandlung
ADHS steht in engem Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen. Besonders Östrogen beeinflusst sowohl die Symptome als auch die Wirkung von Medikamenten. Wer diese Zusammenhänge kennt, kann eigene Muster besser erkennen und gezielter damit umgehen.
Die Forschung entwickelt sich weiter und zeigt zunehmend, dass ADHS bei Frauen eine differenzierte und hormonbewusste Betrachtung braucht.
Quelle:
„ADHD and Sex Hormones in Females: A Systematic Review“
Osialis, Thomas et Al, 2025
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40251875/
„Wenn Hormone ADHS verstärken: Was Frauen wissen sollten“Geo Artikel Dez 2025

Hinterlasse einen Kommentar